Die Förderdiagnostik

FD bemüht sich um das Kind/den Menschen, das/der bezüglich einer optimalen Entfaltung seiner Möglichkeiten im geistigen, sozialen, emotionalen oder physischen Bereich gefährdet, bedroht, gestört oder behindert ist, wobei die Prozesse der Isolation von der Aneignung von Welt stets mitbedacht werden müssen. Aber nicht nur das Kind, sondern vor allem auch die vielfältigen behindernden Bedingungen in der Umwelt bedürfen des Einbezugs in diesen Prozeß.

Erkennen, Analysieren und Verstehen sind wesentliche Momente förderdiagnostischer Prozesse. FD trägt dazu bei, eigene Kräfte und Möglichkeiten zu entfalten und das Kind in seine Menschlichkeit hineinfinden zu lassen.

Ideal gesehen, sollte FD einen Beitrag dazu leisten, daß eine Person entsprechend ihren Bedürfnissen Angebote erhält, gefördert wird, d.h. daß Barrieren der Bedürfnisbefriedigung beseitigt werden.

Wenn FD sich an Bedürfnissen von Personen orientiert, darf sie insbesondere die Bedürfnisse nach Kommunikation und Interaktion, nach Geborgenheit und Geltung, nicht außer acht lassen.

Erstrebt wird, daß sich auch das Bedürfnis nach einem positiven Selbstbild im Kontext sozialer Beziehungen entwickelt, in denen der (die) einzelne

- Erwiderung erfährt (Gefühl, von anderen ernst genommen zu werden, wie auch anderen etwas geben zu können)

- Anerkennung erhält ( in dem Sinne, positiv als Person beurteilt zu werden)

- Sicherheit besitzt (verläßliche und stabile Beziehungen).

Der Zusammenhang zwischen Bedürfnissen und Förderung besteht im Beseitigen von Barrieren, in Hilfestellungen, damit sich Bedürfnisse realisieren können, damit der Weg frei wird zur Entfaltung von Bedürfnissen und somit zur Entfaltung der Persönlichkeit.

Janus Korczak fordert für das Recht des Kindes "zu sein, wie es ist".

Fünf diagnostische Stufen könnten unterschieden werden:

1. Stufe der Beurteilung der Indikation pädagogischer Förderbedürftigkeit

2. Stufe der Sequenzierung von Fördermaßnahmen

3. Stufe der Förderplazierung

4. Stufe der Grundempfehlungen zur Förderung

5. Stufe der differenzierten Planung und Konkretisierung von Fördermaßnahmen

  Wir haben im Rahmen des Förderdiagnostischen Ansatzes ein multiaxiales, dynamisches Entwicklungs- und Steuerungsmodell eingeführt, das uns - durch Einbeziehung der unterschiedlichen Methoden - ein möglichst umfassendes Bild der uns anvertrauten jungen Menschen vermitteln kann, eine hohe Treffsicherheit im Hinblick auf die Wahl der richtigen Förder- und Hilfsangebote ermöglicht und gleichzeitig sicherstellt, daß auf aktuelle Entwicklungen eingegangen werden, und das Angebot entsprechend angepaßt werden kann.

Entscheidende Merkmale sind die kurzfristige und rationelle Einsetzbarkeit im System.

Das Design ist entstanden, um Lehrpersonal, Ausbilder, Pädagogen, Sozialarbeiter in die Lage zu versetzen, auch in größeren Gruppen die individuellen Eigenheiten der ihnen anvertrauten Menschen qualifiziert wahrnehmen zu können und die optimale Förderung sicherzustellen bzw. erforderliche Schritte rechtzeitig einzuleiten.

Wir verwenden dabei:

Neurolinguistische Verfahren, die einerseits in kürzester Zeit relevante Informationen über die verbale und nonverbale Art der Kontaktaufnahme und Informationsverarbeitung in der Welt ermöglicht. Erfaßt werden dabei neben den individuellen Wahrnehmungsspezialitäten auch Metaprogramme , Grundüberzeugungen und Weltsicht , die systemischen Zusammenhänge und Selbstorganisation und Selbstmotivation im Rahmen des subjektiven Zeiterlebens .

Unter Einbeziehung des zum Zeitpunkt der Anamnese schon vorhandenen Datenmaterials werden die relevanten Informationen gebündelt und gemeinsam mit den betroffenen Personen in einem interaktiven Prozess realistische Lösungen entwickelt. Dabei wird eine Interdisziplinäre Zusammenarbeit angestrebt, die helfen soll, sie Möglichkeiten und Grenzen auszuloten.

Förderdiagnostische Planung geschieht nach unserem Modell in 5 Schritten.

Der dynamische Charakter des Modells ergibt sich aus dem Umstand, daß nach dem Durchspielen der 5 diagnostischen Arbeitschritte deutlich wird, an welchen Stellen eventuell wichtige Informationen fehlen oder die Entscheidungsgrundlagen nochmals nachgebessert werden müssen. Dabei bieten insbesondere Schritt 3 und Schritt 5 das notwendige Kontrollregulativ. Solange dort unvereinbare Gegensätze hervortreten ist dies Hinweis darauf, daß nochmals nachgearbeitet werden muß, bis eine in sich stimmige und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch realistisch erreichbare Lösung daraus hervortritt. Insofern hat das Konzept hermeneutischen Charakter.


Bitte senden Sie Ihre Kommentare an Thomas Piruzgar-Merkle. Dieses Dokument wurde zuletzt aktualisert am 28.08.00.