Förderdiagnose

Eine Förderdiagnose beschreibt einen interaktiven Prozeß zwischen systemisch geschultem Fachpersonal und den hilfesuchenden Personen mit dem Ziel, die jeweils adäquate und optimale Hilfe ausfindig zu machen oder sie gemeinsam zu entwickeln.
Grundsätzlich ist das Verfahren für all diejenigen interessant, die mit Hilfeplänen und Förderplänen arbeiten.
Die Förderdiagnose vermittelt dabei ein Metaprogramm, das geeignet erscheint, im Laufe des gemeinsamen Lernprozesses, die TeilnehmerInnen bestmöglich zu eigenem Engagement und zur Selbsthilfe zu motivieren. Der Grundsatz ist dabei: "So viel wie nötig, so effektiv wie möglich." Das Programm ist selbstdynamisierend und kann nach einer gewissen Zeit von den beteiligten Personen selbständig fortgesetzt werden.
Sie gewährt in der Interaktion zwischen Fachpersonal und Hilfesuchenden einen guten gegenseitigen Zugang da die Hilfesuchenden i.d.R. selbst zu einem konstruktiven Weg motiviert werden können, eigene Kompetenzen und Ressoucen aktiviert und gefragt sind.
Sie stellt an das Fachpersonal hohe Anforderungen:
Neben einer fundierten pädagogischen Ausbildung und umfangreichen Kenntnissen in den Bereichen Psychologie, Psychosomatik, evtl. Sonderpädagogik und in systemorientierten Verfahren und eine gute Ausbildung im neurolinguistischen Bereich ist dafür Bedingung, damit der fortlaufende Prozeß auf allen logischen Ebenen begleitet werden kann. Alternativ hierzu ist für Anwender auch eine gründliche Ausbildung zur Anwendung der - im Verfahren enthaltenen und zur Überlagerung zu bringenden - Gridsysteme möglich.
Fortbildungen wurden von uns bereits durchgeführt für das Lehrpersonal integrativer Schulklassen und für Lehrkräfte von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.



» Siehe Dokument: f-rderdiagnose.mmp

Schritt 1: Situation

  • Schwierigkeiten, Probleme
     
  • offene Fragen
     
  • Diagnostische Informationen
     
    • Vorhandenes Material
       
    • Auswahl und Durchführung
      Zur Ergänzung des schon vorhandenen diagnostischen Materials bringen wir, je nach Aufgabenstellung, noch weitere Methoden zur Ergänzung der Informationen zum Einsatz:
      5. Biographiearbeit
        CFT-20
        Fachärztliche Untersuchung (z.B. Augenarzt, HNO, Orthopäde, Neurologe, Psychiater).
        Hamburg-Wechsler-Intelligenztest (HAVIE-R)
        K-ABC
        ICD-10
        Leistungseinstufung für die Schule
      1. Narratives Interview
      2. Neurolinguistisches Interview
        Physiotherapeutische Einschätzung
        Projektive Verfahren
      4. Soziometrische Verfahren
        Sportpädagogische Einschätzung
      3. Teilnehmende Beobachtung
      6. Verhaltensbeobachtung
        ... und andere ...
      Im Interesse der Betroffenen - und um die Belastung so niedrig wie möglich zu halten. müssen selten alle Register gezogen werden, um die Orgel des Förderdiagnostischen Ansatzes zu spielen:
      Die alphabetisch genannten Verfahren sind mit den Ordnungszahlen nach Ihrer Einsatzreihenfolge markiert.

      Narrative Interviews, Beobachtung und Biographiearbeit werden inhaltlich - vorallem aber auch nach neurolinguistischen Kriterien ausgewertet. Im Neurolinguistischen Interview werden vorrangig die Wahrnehmungsspezialisierungen, die persönliche Zeitwahrnehmung, Ambivalenzen, die Metaprogramme, eventuell einschränkende Werte- und Glaubenssätze, die Selbstdefinition beleuchtet.

      Soziometrische Verfahren und die systemische Erarbeitung der Familienbiographie geben Auskunft über sich in den Generationen wiederholende Verhaltensmuster und damit verbundene Identifizierungen und Systemdreher, Rollen- und Positionszuweisungen.

      Leistungseinstufungen werden von uns zur besseren Einschätzung der Beschulbarkeit eingesetzt, während K-ABC (Teilleistungsschwächen) und CFT-20 (Grundintelligenz) sich bei uns als Testverfahren bewährt haben, die unabhängig vom Bildungsstand und der bisher erworbenen Verbalisierungsfähigkeit einerseits über Fähigkeiten und das zur Verfügung stehende Potential Auskunft geben können, andererseits eine gute Möglichkeit zur Verhaltensbeobachtung unter Streß bieten, die Aufschluß über die zur Verfügung stehenden Aufgabenbewältigungsstrategien geben.

      HAVIE-R ist ein gutes Instrumentarium zur Leistungseinstufung Erwachsener - oft eingesetzt in Kombination mit CFT-20.

      Bei der Feststellung von Wahrnehmungseinschränkungen oder Informationsverarbeitungsschwächen wird von uns in jedem Fall der zuständige Facharzt zu Rate gezogen.

      Die Einschätzung der körperlichen Leistungs- und Einsatzfähigkeit spielt bei der Beurteilung eine Rolle , wobei z.B. bioenergetische Aspekte, der Körperausdruck, Koordination im Raum und die Haltung besondere Beachtung finden können.

      Der Rahmen zur förderdiagnostischen Planung wird unterschiedlich gewählt: Wenn möglich findet die gesamte Prozedur im Herkunftssystem statt. Manchmal wird ein(e) TeilnehmerIn dazu bei uns ambulant diagnostiziert oder stationär bei uns aufgenommen.

      Die interaktiven Aspekte im Sinne der Heisenbergschen Unschärferelation verhelfen diesem Ansatz zur inherenten Dynamik: Förderdiagnostische Planung setzt notwendigerweise sowohl bei den TeilnehmerInnen als auch bei deren Herkunftsystemen Prozesse in Gang, die einerseits die Selbstexploration unterstützen, andererseits durch aktive Rückmeldung von außen an und für sich schon Lernen, Veränderung und Motivation ermöglichen. Letztlich impliziert das Modell wie von selbst einen hermeneutischen Prozeß, der in der Analogie einer Spiralbewegung beschrieben werden könnte, in der eine Lernentwicklung sich zwar zirkulär, aber immer auf der nächst höheren logischen Ebene wiederholt.

      Diese Entwicklung kann nur teilweise antizipiert werden. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die Förderdiagnostische Planung somit als Instrument welches sich sowohl zum fortlaufenden Controlling und als dynamischen Steuerungsmodell einsetzen läßt, welches optimal über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden kann. Mit diesem Modell zu arbeiten bedeutet, sich auf einen arbeitsintensiven Erkenntnisprozess einzulassen, der dafür aber auch zu einer sich immer weiter optimierenden Qualität und zu einer hohen Treffsicherheit bei der Einschätzung der Förderungsmöglichkeiten führen muß.



       

Schritt 2: Kennzeichnung der bisherigen Entwicklungsumstände

Oft stellt sich bei der Anamnese heraus, daß in der Vorgeschichte offene Fragen bestehen, die nach einer Antwort verlangen (unklare oder sich widersprechende Diagnosen oder deutliche Schwiergkeiten, deren Ursache unklar ist). Eine diagnostische Einordnung nach dem ICD-10 ist wegen möglicher stigmatisierender Effekte nach wie vor umstritten. Trotz des dahinter stehenden "medizinischen Modells" ist sie allerdings - wegen der multiachsialen Einordnung
Erste Achse: Klinisch-psychiatrisches Syndrom
Zweite Achse: Umschriebene Entwicklungsstörungen
Dritte Achse: Intelligenzniveau
Vierte Achse: Körperliche Symptomatik
Fünfte Achse: Aktuelle abnorme psychosoziale Umstände
Sechste Achse: Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung
eine der "besseren" Klassifikationsmethoden. Aus der Benennung der Achsen wird die Defizitorientierung des Modells deutlich. Da mit bestimmten - im Einzelfall - konstatierbaren Defiziten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bestimmte - ernstzunehmende - Contraindikationen einhergehen, ist die Einordnung nach ICD-10 im Zweifelsfall ein sehr taugliches Hilfsmittel.
Mancher augenfällig gleichen Symptomatik können sehr unterschiedliche Ursachen zu Grunde liegen, die jeweils einen völlig anderen Hilfeansatz verlangen. Dann kann eine Ausschlußdiagnose die Entscheidung für ein Hilfsangebot erleichtern.
Kinder sind oft unterschiedlich begabt und im Wahrnehmungsbereich spezialisiert. Sie sind durch ein auf ihre Spezialisierung abgestimmtes Verfahren besser erreichbar. Andere - bisher ungenutzte - Fähigkeiten können später gezielt trainiert und gefördert werden. Das genaue Wissen um ein Defizit kann für beteiligte und betroffene Personen emotional entlastend sein, eine zu späte gründliche Ausschlußdiagnose kann große Traurigkeit hinterlassen. Zur Verdeutlichung ein konkretes Beispiel aus unserer Praxis:
  "S. wurde uns vorgestellt als Kind mit Distanzproblemen, das sich seit dem 5. Lebensjahr Leistungsanforderungen total verweigert habe und von der verzweifelten Mutter im 9. Lebensjahr in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie gebracht wurde mit dem Hinweis:"Das Kind hört nicht, ist ungezogen, bockig und nicht erreichbar." Der Fokus der diagnostischen Bemühungen konzentrierte sich auf die Verhaltensauffälligkeit; das Kind wurde zunächst psychiatrisiert, traumatisiert und wurde latent suizidal.Bei einer Familie mit 6 Kindern aus einem sozialen Brennpunkt noch dazu war auch nichts anderes zu erwarten, oder ? Es gab einen Stiefvater und - wegen des plötzlichen extremen Leistungsabfalles lag eine Mißbrauchsproblematik doch nahe. Das Kind hatte sich auch längst als "schwarzes Schaf" etabliert, trug die Schuld am Scheitern der 1. Ehe, wurde - das ist ja peinlich - wegen seines lauten und tölpelhaften Verhaltens von der Mutter schließlich abgelehnt. Danach wurde es mit unglaublich geduldigem und liebevollem Einsatz in einem Kinderheim im Rheinland gepflegt und lebenspraktisch aufgebaut, wurde dann aber aufgrund seiner "Ignoranz" (die übrigens im Gegensatz zu den schulischen Leistungen stand; das Kind war "sehr fleissig", erreichte aber nach der 7. Klasse aufgrund seiner Auffälligkeiten und eines unerklärlichen Leistungsabfalles kein Klassenziel mehr) und seiner nach wie vor feststellbaren Ungezogenheit und "autistischen Zügen" die sich mit völliger Distanzlosigkeit abwechselten und - das Kind war inzwischen 15 - einer unangemessenen Sexualisierung aus der Einrichtung an uns überwiesen. Aufgrund der Aktenlage und der sicher gründlichen Untersuchungen im Vorfeld war die Aufgabenstellung an uns klar vorformuliert: Das Kind sollte im Zusammenhang eines Sozialverhaltenstrainings an Bord unseres Schulschiffes lernen, sich nicht so sehr in den Vordergrund zu spielen, Normen und Regeln zu akzeptieren, die Grenzen der Mitmenschen wahrzunehmen und ihnen nicht so auf die Pelle zu rücken."

Hervorstechendstes Merkmal des Kindes war der allgegenwärtig und fortlaufend wiederholte Satz:"Hahaaa! Ich bin ja nicht blöd!". Das Kind behielt Recht (die Mutter übrigens auch): Das Neurolinguistische Interview (minimale Möglichkeit der Auswertung auditiver Informationen bei Wechsel zwischen visueller Spezialisierung und der neurotisch anmutenden Verarbeitung visueller Eindrücke durch laute Selbstgespräche), eine sequenzielle Verhaltensbeobachtung ("Du kannst ja von den Lippen lesen !") in Kombination mit dem CFT 20 (IQ 128) und dem Einstufungstest durch das Oberschulamt Tübingen ( Einstufung in die 9. Klasse bei guter Begabung für Sprache und Mathematik). Narrative Interviews ergaben u.a. diese Hinweise: "Meine Mutter hat mich, als ich noch klein war mal bös geohrfeigt. So batsch, beng!! Das tat vielleicht weh in den Ohren. Da hat mir der ganze Kopf gebrummt."..."Klar hab ich nix mehr gerafft, als mich die Tussi aus der ersten Reihe in die dritte umgesetzt hat. Die hat gesagt, ich kleb zu nah auf Ihr und ich hab so'n starren Blick, dabei wollt ich nur sehen was geht !"

Eine HNO- Untersuchung ergab Sicherheit: "Die Vernarbung mehrfach geplatzter Trommelfelle verursacht eine Einschränkung des wahrnehmbaren Frequenzbereiches und insgesamt hört das Kind auf beiden Ohren nur noch 30% (links) und 38% (rechts). Stellen Sie sich vor, sie lägen mit dem Kopf in der Badewanne, das Wasser läuft und es erzählt jemand in monotoner Stimme seine Tageserlebnisse. Kurz: Das Kind hört nix !"

Müssig drüber nachzudenken, was dem Kind alles an Leid und zernagenden Selbstzweifeln erspart geblieben wäre, wenn gleich bei der Anfangsdiagnose unterschiedliche, sich ergänzende Verfahren zum Einsatz gekommen wären.

Eine gewissenhaft durchgeführte Förderdiagnostik wird sich den Instrumentarien des medizinischen Ansatzes also nicht grundsätzlich verschließen können, wird diese aber durch andere Verfahren sinnvoll zu ergänzen suchen. Im geschilderten Fall hätte die konsequente Anwendung des ICD-10 schon Schlimmeres verhindern können.

  • Daten aus verfügbaren Akten
     
  • Aussagen
     
  • soziales Verhalten und Bindungen
     
  • Schulisches Verhalten
     
  • Systemdiagramme
     

Schritt 3: Zielformulierungen

  • Einbeziehung des Systems
     
  • Aufgabenstellung ?
     
  • Was soll erreicht werden ?
     
  • Was soll an die Stelle der Symptome treten ?
     
  • Ökologie der geplanten Veränderung ?
     

Schritt 4: Ressourcen

  • Methoden zur Förderung
     
  • Organisatorische Maßnahmen
     
  • Einbeziehung bestehender Kontakte
     
  • Hinzuziehung von Spezialisten
     

Schritt 5: Effekte

  • Einbeziehung des Systems
     
  • Auswirkungen der Zielerreichung
     

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