Gesellschaft für Jugend- und Familienhilfe e.V.


Ein klares Wort zum Anfang

"Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit." (KJHG, §1, 1).
Die Euphemismen und die euphorischen Klänge, von denen begleitet das Gesetz zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe (KICK) inzwischen Einzug gehalten hat, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass "die Verbesserung der Einnahmesituation der Kommunen durch jährliche Einsparungen in Höhe von 214 Mio. Euro" und das "ganz ohne Einschränkungen des Hilfeangebotes" nicht der gelebten Realität entspricht. Die Ausdünnung der pädagogischen Infrastruktur, die dadurch entsteht, dass viele kleine Träger mit flexiblen und interessanten Hilfsangeboten wegen notorischer Unterbelegung "die Segel streichen" müssen, wird von Mitarbeitern unterschiedlicher Jugendämter beklagt.

Das KICK bringt aus Sicht der Träger interessante Verbesserungen in bestimmten Bereichen mit sich. Und es ließe weiterhin genügend Spielraum zur Nutzung bewährter und notwendiger Hilfen - auch im Europa ausserhalb Deutschlands. Diese werden jedoch noch seltener genutzt.

Aus meiner Sicht keine Frage gesetzlicher Einschränkung sondern eher eine Frage des Mutes, Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen und diese fachlich zu vertreten. Eventuell hat es auch etwas mit Bequemlichkeit zu tun? In manchen Regionen ist es auch die Angst, die Kräfte bindet. Es gibt Jugendämter, die der Angst um den eigenen Arbeitsplatz mit zukunftsorientierten Lösungen begegnen: Besonders originell ist die Variante, mit eigenen Angeboten den örtlichen und freien Trägern der Jugendhilfe Konkurrenz zu bieten und das Subsidiaritätsprinzip ganz unverholen umgekehrt auszulegen ("Was wir selbst erledigen können, dafür brauchen wir keine anderen Angebote!"). Auch wenn sich ausgerechnet diese Ämter gerne selbst als besonders fortschrittlich einstufen, und sich niemand traut ihnen zu widersprechen, um nicht öffentlich in Ungnade zu fallen, ist und bleibt solches Verhalten ungesetzlich, wirkt wettbewerbsverzerrend und zementiert Machtmißbrauch. (Auch ich werde die 3 "schwarzen Schafe" aus dem süddeutschen Raum, die mir ad hoc dazu einfallen, nicht beim Namen nennen, um die GJFH nicht Repressalien auszusetzen. -webmaster-). In anderen Gegenden sind es die regional ansässigen Träger (kirchliche und unkonfessionelle), die sich noch argwöhnisch beäugen und versuchen sich mit taktischen Winkelzügen gegenseitig das Wasser abzugraben.

Glücklicherweise gibt es (vor und nach KICK) genügend mutige, engagierte und fachlich orientierte Menschen in Jugendämtern, die den Respekt und das Vertrauen ihres Bürgermeisters bzw. Landrates durch eine klare und offene Kommunikation erworben haben und gerade deshalb frei sind, fachlich notwendige Entscheidungen zu treffen, ohne auf eigene Rechnung arbeitend die Existenz zu rechtfertigen, genau wie es noch Träger gibt, die daran denken, dass soziale Arbeit eine Gemeinschaftsaufgabe ist, die das Miteinander braucht. Was mich freut, ist dass dies nach Phasen frühkapitalistischen Gebahrens inzwischen wieder Werte ins Gedächtnis dringen wie Nächstenliebe und Solidarität, und dass offensichtlich wieder mehr Raum für Austausch und Begegnung ist - im Großen wie im Kleinen.

Letztes Update: 10.02.2006
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